Über Boßeln

Boßeln

Boßeln ist ein Spiel bzw. eine Sportart, die überwiegend in den norddeutschen Küstenregionen, aber auch weltweit gespielt wird. Andere Verbreitungsgebiete sind die Niederlande, Irland, Italien oder manche Gebiete der USA, in die es durch deutsche Auswanderer eingeführt wurde. Die Boßeln (plattdeutsch für Kugeln, allgemeiner: Kloote) waren in der Anfangszeit des Sports aus einem schweren Holz (Pockholz) gefertigt; mittlerweile kommen jedoch auch Kloote zum Einsatz, die aus synthetischen Materialien gefertigt sind. Außerdem werden Gummikloote benutzt.

Regeln

Im klassischem Boßeln spielen zwei Mannschaften (bei Wettbewerben in 4 Gruppen mit je 4 Werfern besetzt) gegeneinander. Dabei gibt es keine feste Wurfbahn, sondern die Wettbewerbe finden auf Straßen statt. Jeder Werfer setzt mit seinem Wurf an dem Landepunkt des Vorwerfers seiner Mannschaft an. Ziel ist es die jeweilige Boßelstrecke mit möglichst wenigen Würfen zu überwinden. Die Mannschaft, die dafür die wenigsten Würfe benötigt, hat gewonnen. Bei gleicher Wurfanzahl wird das Spiel als unentschieden gewertet. Die Streckenlänge ist unterschiedlich, da je nach Straßenbeschaffenheit die Wurflänge unterschiedlich ausfällt. Sie sollte aber so sein, dass jeder Werfer zwischen 10 und 12 Würfe zu absolvieren hat. Dabei ist eine Gesamtstreckenlänge von ca. 8 Kilometern nicht selten.

Daneben gibt es die Einzelvariante mit festen Wurfbahnen, welche oft bei Preiswerfen gewählt wird.

Boßelstrecke

Boßelstrecke. 
Auf der Straße sind die Entfernungsmarkierungen erkennbar

 

Saison

Die übliche Saison für das Boßeln liegt im Winter und am Beginn des Frühjahrs. Der Grund für die Wahl der Jahreszeit ist, dass im Winter die Gräben, die sich in Norddeutschland beiderseits der Boßelstrecke befinden, zugefroren sind und daher das Bergen der Kugel vereinfacht wird. Da Pockholz eine höhere Dichte als Wasser hat, gehen die Boßel in Straßengräben unter. Um die Kugeln trockenen Fußes bergen zu können sind spezielle Klootsoeker (Kugelsucher, auch Kraber) in den 'boßelnden' Regionen im Handel erhältlich. Diese bestehen aus einer Stange (z. B. Besenstiel) mit einem daran befestigten Korb für die Aufnahme der Boßel.

Verbreitung

Gegenden, in denen das Boßeln in Deutschland als Sport betrieben wird, sind Ostfriesland, das Oldenburger Land, Dithmarschen, Nordfriesland, Rotenburg (Wümme), Stormarn, das Land Hadeln, die Grafschaft Bentheim, das Emsland, Nordrhein-Westfalen, sowie in der Gegend um die Gemeinde Lehre im Osten von Braunschweig. Neben dem Breiten- und Leistungssport wird es vielfach auch als gesellige Tätigkeit, etwa im Rahmen von Feiern oder der Regionaltypischen Kohlfahrt, betrieben. Bei letzterer Variante ist das Spiel häufig mit dem Konsum landestypischer Getränke und Speisen verbunden.

Turniere

Im Boßeln finden regelmäßig nationale und internationale Meisterschaften statt. Bei den sogenannten "Europameisterschaften", sie werden alle 4 Jahre ausgerichtet (zuletzt 2004 in Westerstede, 2008 in Cork, Irland), werden Wettbewerbe für die weibliche und männliche Jugend, die Damen und die Herren ausgerichtet. Teilnehmer kommen aus den Verbänden in Schleswig-Holstein (VSHB), Ostfriesland und Oldenburg (FKV), den Niederlanden (NKB), Irland (BC) und Italien (ABIS). Dabei gibt es folgende Wettbewerbe: Feldwettkampf mit dem Hollandkloot (300 gr), den Standwettkampf (375 bzw. 475 gr) sowie im Straßenboßeln mit der irischen Stahlkugel (ca 800 gr).

"Deutsche Meisterschaften" werden seit 1999 (Meldorf) alle 2 Jahre ausgetragen. Danach fanden sie 2001 (Blomberg), 2003 (Willich) und 2005 (Nordhorn) statt. Die nächsten Deutschen Meisterschaften finden 2007 in Wewelsfleth (Schleswig-Holstein) statt. Teilnehmende Verbände sind der FKV (Friesischer Klooschießer-Verband), VSHB (Verband Schleswig-Holsteinischer Boßler), NSKV (Nordhorner Sport-Kloatscheeter Vereinigung) und der KBV-NRW (Klootschießer- und Boßelverband Nordrhein-Westfalen). Deutsche Meister bzw. Meisterinnen werden hier ebenfalls für die weibliche Jugend, männliche Jugend, Damen und Herren ermittelt. Wettbewerbe sind hierbei der Standwettkampf, der Feldwettkampf mit dem Hollandkloot, der Straßenwettkampf a) mit der Kunststoffboßel (Herren 12 cm, Damen und Jugend 11 cm Durchmesser) und b) mit der Gummiboßel (10,5 cm Durchmesser).

  • Standwettkampf (Flüchten) mit dem Kloot
  • Feldwettkampf mit dem Hollandkloot
  • Straßenwettkampf mit der Kunststoffboßel
  • Straßenwettkampf mit der Gummiboßel

 

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